Gesundheit Gemeinsam entwickeln

Therapiezentrum Jena

Was uns antreibt.

Eine Seite über Haltung, Überzeugungen – und das was uns manchmal wütend macht.

Kapitel 1 – Was wir glauben


Gute Therapie braucht gute Bedingungen.

Das ist kein Slogan. Es ist eine Erkenntnis die uns täglich begleitet – und die erklärt warum wir Entscheidungen treffen die auf den ersten Blick unwirtschaftlich wirken.

Zehn Behandlungsräume. Vier Ergotherapie-Räume. Jenas größte aktive Therapiefläche. Eine Anmeldung mit vier Kolleginnen – darunter eine ausgebildete Physiotherapeutin. Wöchentliche Lernzeit. Zwei Bücherregale Fachliteratur. Digitale Zugänge zu aktueller Forschung.

Das alles kostet Geld. Es ist uns trotzdem wert. Weil wir glauben: wer an den Bedingungen spart, spart an der Therapie.

Wer an den Bedingungen spart, spart an der Therapie.


Passive Therapie ist nicht das Ziel.

Wärme, Strom, Massage – diese Maßnahmen haben ihren Platz. Aber sie sind ein Einstieg, kein Ziel. Wir glauben, dass nachhaltige therapeutische Effekte nur durch aktive Beteiligung entstehen. Der Körper muss lernen, nicht nur behandelt werden.

Deshalb haben wir eine Trainingsfläche gebaut die in Jena ihresgleichen sucht. Freihantelbereich, Ergometer, 14 KGG-Geräte, Kletterwand, Posturomed. Nicht als Showroom – sondern weil aktive Therapie Raum und Material braucht.

Der Körper muss lernen, nicht nur behandelt werden.


Evidenz in der Therapie ist dünn. Das sagen wir offen.

Die Forschungslage in der Physiotherapie und Ergotherapie ist – verglichen mit anderen medizinischen Disziplinen – dünn. Das ist eine Tatsache. Aber es wäre falsch daraus zu schließen, dass es keine Evidenz gibt. Es gibt sie. Und wir wollen sie nutzen – konsequent, und so vollständig wie möglich.

Gleichzeitig glauben wir an den Wert interner Evidenz. Klinische Erfahrung – sorgfältig gesammelt und kritisch hinterfragt – ist kein Gegenmodell zur Wissenschaft. Sie ist eine Ergänzung. Wer es schafft, jahrelange Erfahrung mit dem täglichen Hinterfragen der eigenen Arbeit zu verbinden, kann das Maximum aus den ungünstigen Voraussetzungen für den Patienten herausholen.

Das ist kein Freifahrtschein für Bauchgefühl. Es ist die ehrliche Antwort auf eine Wissenschaft die sich noch entwickelt: Wir nutzen was da ist, bauen auf dem auf was wir gelernt haben – und bleiben dabei immer neugierig genug um uns selbst zu korrigieren.

Wir wissen nicht immer was am besten ist – und bleiben genau deshalb neugierig.


Kapitel 2 – Was das System verhindert


Was uns an der Branche stört.

Die Diskussion um Behandlungszeiten greift meistens zu kurz. Sie bezieht sich fast ausschließlich auf Krankengymnastik und Manuelle Therapie – die Kassenvorgabe liegt dort bei 20 Minuten. Und ja, 20 Minuten sind wenig.

Aber Physiotherapie ist weit mehr als KG und MT. Manuelle Lymphdrainage wird je nach Verordnung mit 30 bis 60 Minuten vergütet. PNF mit 30 Minuten. KGG-Ersttermine planen wir mit 60 Minuten. Doppelbehandlungen sind in Absprache mit dem Arzt möglich. Wer die volle Breite der Heilmittel nutzt, hat von selbst mehr Zeit mit seinen Patienten – und einen Tag der nicht aus identischen 20-Minuten-Blöcken besteht.

Hinzu kommen die ergänzenden Heilmittel: Elektrotherapie, Wärme- und Kältetherapie, Klassische Massagetherapie, Fango. Diese Maßnahmen bereiten vor, unterstützen – und geben wenigstens ein wenig mehr Zeit mit dem Patienten. Das Problem: sie müssen pauschal mitverordnet werden, ob sie im konkreten Fall sinnvoll sind oder nicht. Das geht an der therapeutischen Realität vorbei.

Das eigentliche Problem bleibt: Die Vergütung ist zu niedrig. Und wir wollen als Branche lauter werden, statt das System durch Gefälligkeiten zu umgehen die langfristig niemandem nützen.

Wer die volle Breite der Heilmittel nutzt, hat von selbst mehr Zeit mit seinen Patienten.


Ergotherapie ist nicht Basteln.

Wer das glaubt – und viele tun es, auch innerhalb der Branche – unterschätzt was Ergotherapie leisten kann. Ergotherapie fragt nicht: Welche Übung machen wir heute? Sie fragt: Was können Sie nicht mehr so wie früher? Anziehen, Kochen, Schreiben, Spielen, Arbeiten? Und dann arbeitet sie genau daran. Nicht im Therapiezimmer. Am Alltag.

Handwerk und Bastelarbeit sind bei uns kein Mittel zum Zweck. Nicht weil wir etwas gegen Kreativität haben – sondern weil Alltagsorientierung konsequent gemeint sein muss. Was nützt eine Therapie die im Zimmer funktioniert, aber nicht in der Küche?

Die Zeitvorgaben der Ergotherapie zeigen im Übrigen wohin politische Arbeit führen kann: psychisch-funktionelle Behandlung wird mit 60 Minuten vergütet. Das zeigt dass die Systeme manchmal selbst wissen, dass gute Therapie Zeit braucht. Was fehlt, ist der Wille das konsequent zu Ende zu denken – in allen Heilmitteln, in allen Disziplinen.

Wir bauen unsere Ergotherapie-Abteilung aus – nicht weil es wirtschaftlich das Naheliegendste ist, sondern weil wir glauben dass interdisziplinäre Therapie besser ist als jede Einzeldisziplin für sich.

Gute interdisziplinäre Arbeit zu etablieren ist brutal schwer. Physio, Ergo und Sport wirklich gemeinsam denken – nicht nebeneinander, sondern miteinander – das braucht Zeit, Vertrauen und gemeinsame Sprache. Wir sind noch auf dem Weg. Aber wir sind überzeugt: es wird sich lohnen.

Alltagsorientierung muss konsequent gemeint sein. Was nützt eine Therapie die im Zimmer funktioniert, aber nicht in der Küche?


Mehr Zeit ist möglich. Aber nicht auf Kosten der Branche.

Die Blanko-Verordnung ist ein erster richtiger Schritt: Sie gibt Therapeuten die Entscheidungsfreiheit zu wählen, welche Heilmittel und welche ergänzenden Maßnahmen für diesen Patienten an diesem Tag tatsächlich den größten Nutzen bringen. Das ist keine Vereinfachung – das ist Fachlichkeit. Wir wollen mehr davon.

Und ja: Wer über die kassenfinanzierte Behandlungszeit hinaus mehr möchte, kann das bei uns auf Selbstzahlerbasis buchen. Wir finden das unbefriedigend als Systemantwort. Es klingt nach Zweiklassenmedizin – und ein Stück weit ist es das auch. Aber es ist die ehrlichste Möglichkeit die wir heute haben. Die eigentliche Antwort muss politisch sein.

Die eigentliche Antwort muss politisch sein.


Kapitel 3 – Wie wir darauf antworten


Überkapazität ist eine Entscheidung.

Die meisten Praxen planen auf Vollauslastung. Wir nicht. Wir planen bewusst Spielraum ein – für kurzfristige Termine, für Qualität, für Lücken die entstehen wenn das Leben des Patienten sich ändert.

Das ist betriebswirtschaftlich nicht die schlaueste Entscheidung. Es ist aber die richtige. Wer Hilfe braucht, soll sie bekommen. Nicht in sechs Wochen.

Wer Hilfe braucht, soll sie bekommen. Nicht in sechs Wochen.


Keine Abrechnungstricks.

Wir rechnen ab was wir behandeln. Nicht mehr. Nicht anders. Das ist für uns selbstverständlich.

Praxen die mehr leisten als sie abrechnen dürfen – und das als Qualitätsmerkmal verkaufen – unterminieren jeden Versuch die Vergütung auf ein faires Niveau zu heben. Das ist kein Vorwurf an einzelne. Es ist ein strukturelles Problem das die gesamte Branche schwächt.

Wir rechnen ab was wir behandeln. Nicht mehr. Nicht anders.


Wohin wir wollen.

Wir wollen eine Praxis sein die beweist: gute Therapie und wirtschaftlicher Betrieb schließen sich nicht aus. Wir wollen zeigen dass Therapeuten die gut bezahlt werden, gut ausgestattet sind und kontinuierlich lernen – besser behandeln.

Wir wollen politisch lauter werden. Die Misstände in der Heilmittelbranche benennen. Und aktiv an Verbesserungen arbeiten. Nicht weil es einfach ist. Sondern weil wir glauben dass es nötig ist.

Christoph Ackermann & Michael Schamfuß – Therapiezentrum Jena GbR

Gute Therapie und wirtschaftlicher Betrieb schließen sich nicht aus.